Bewegung an der frischen Luft
Treffpunkt Annaplatz

Zu diesem Angebot lädt die Quartiersarbeit Goethe 15 sen. seit Mai an jedem Dienstag von 14.00 – 15.00 Uhr ein. Der neue Bewegungstreffpunkt möchte zu mehr und regelmäßiger Bewegung anregen, die Leistungsfähigkeit steigern, Kreislauf und Muskulatur stärken sowie zur Sturzprophylaxe beitragen. Und die sozialen Kontakte in der Nachbarschaft fördern. Zu diesem Angebot sind Menschen mit und ohne Einschränkungen eingeladen. Alle Übungen sind im Sitzen oder Stehen, mit oder ohne Rollator, möglich.

Das Projekt „Ein sportlich bewegtes Kassel für ALLEE“ der Stadt Kassel fördert und finanziert dieses Angebot.“
 


Eine Reise ins Anderland
Annäherung an die Lebenswelt von Menschen mit Demenz

Über 50 Teilnehmende, überwiegend Pflege- und Betreuungskräfte, Mitarbeitende  aus Altenpflegeschulen und Beratungsstellen, aber auch pflegende Angehörige, kamen am 16.5.2019 ins Evangelische Forum, um Erich Schützendorf zu hören.

Schützendorf, Diplom-Pädagoge und Leiter des Fachbereichs „Fragen des Älterwerdens“ der VHS Kreis Viersen i.R., beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit dem Thema Demenz. In seinem Vortrag, den die Diakoniestationen der Evangelischen Kirche in Kassel organisiert haben, trat er als typische rheinische Frohnatur auf und lud sein Publikum ein, das vertraute „Normalien“ zu verlassen und sich mit ihm auf eine „Reise ins Anderland“ zu begeben, in die Lebenswelt von Menschen mit Demenz. 

Dort herrschen, so Schützendorf, andere Sitten und Gebräuche.  Zum Beispiel bei den Mahlzeiten. Die Menschen im Anderland essen schon mal die Nachspeise vor dem Hauptgang oder auch alle Gänge durcheinander oder sie kochen alles neu, indem sie die Speisen verrühren. 

Die Zeit spielt in Anderland ebenfalls eine andere Rolle. Es kann vorkommen, dass sich die Menschen während der Mahlzeit Zeit für ihre Angst nehmen.

Auch Gegenstände können im Anderland eine andere Bedeutung haben als in Normalien. Ein Wasserglas kann dort als Marmeladenglas gesehen werden. In diesem Fall wundert sich der Normalier, dass der Anderländer versucht, den nicht zu sehenden Deckel aufzuschrauben und dabei  das Wasser verschüttet. In ähnlicher Weise kann ein Wasserglas zum Brillenetui werden oder zum Farbtopf. Ein Zuckerstreuer wird zum Trinkgefäß, eine Wurstscheibe zum Brillenputztuch.

Nicht immer leicht ist die Entscheidung, wo die Grenze ist zwischen gewähren Lassen und Einschreiten. Gelingt es aber, den demenzkranken Menschen in ihrer Lebenswelt auf Augenhöhe zu begegnen, so entstehe Wohlbefinden.

Leidenschaftlich warb Schützendorf für ein besseres Verstehen von „Menschen aus Anderland“. 

An Demenz Erkrankte bräuchten keine starren Abläufe, sondern Ruhe, Warten, Stille, Passivität und Langsamkeit. All dies seien wichtige Voraussetzungen für Achtsamkeit. Zudem erlebten Menschen mit Demenz oftmals kleinste Kränkungen aus der Kindheit noch einmal neu und verstärkt.

Für Angehörige und Pflegende gelte es neben aller Achtsamkeit auch sich selbst wahrzunehmen und sich nicht zu überfordern. Eine „Eigenzeit“ sei wichtig.

Wo immer dies gelingt, ist es Bewohnern beider Welten möglich, sich über weite Strecken wohlzufühlen, so Schützendorf.
Mit einem kräftigen Applaus und Kasseler Pralinen wurde Erich Schützendorf verabschiedet, um in Hofgeismar eine neue Tagespflege zu eröffnen.
 


10 Jahre Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz in Kassel

Am 01.02. wurde der Start der ersten Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz in Kassel mit einem Empfang gefeiert.
2008 bezogen 9 Mieterinnen und Mieter die Wohngemeinschaft im Stadtteil Brückenhof, es folgten zwei weitere Wohngemeinschaften in Helleböhn und in Baunatal.

Die selbstverwalteten Wohngemeinschaften wurden ermöglicht durch ein breites Kooperationsbündnis von GWH (Wohnungsgesellschaft mbH Hessen) dem Diakonischen Werk Region Kassel, den Diakoniestationen Kassel und der Stadt Kassel. Ein selbstbestimmtes Leben in Selbstorganisation, Alltagsnormalität, Leben in Gemeinschaft, Betreuung rund-um-die Uhr – das sind die wesentlichen Stichworte des erfolgreichen Konzeptes. Angehörige werden entlastet, geben ihre Verantwortung und Entscheidungskompetenz aber nicht ab.